Eine kleine Geschichte aus dem E-Business
Die Website von PostFinance wurde im 2008 komplett redesignt. Inhalte, Design, Prozesse und Benutzerführung wurden angepasst und optimiert.
Das neue Konzept legte dabei grossen Wert auf einfache Kundenführung und übersichtliche Einstiegsseiten inklusive der Startseite. Die Agenturen waren der Meinung, dass aus Usability-Sicht, möglichst viele Links von den Einstiegsseiten entfernt werden müssten, damit Kunden besser in die Themen geführt werden. Da PostFinance auf Einstiegsseiten Banners schaltete, hat auch der Online-Vertrieb diese Idee gut geheissen. Dieser erhoffte sich dadurch bessere Abschlusszahlen bei Kampagnen.
Also wurden viele Links von den Start- und Einstiegsseiten entfernt, mit dem Ziel, dass Besucher nur noch über die drei Hauptnavigationspunkte „Privatkunden, Geschäftskunden und Wir über uns“ in die Seite eintauchen konnten. Die Navigationselemente wurden so gestaltet, dass man über den Titel oder mit dem Link „Weiter“ in die jeweiligen Kapitel navigieren konnte.
Ohne Deep-Links
Kunde muss auf ‚weiter’ oder die Segmenttitel klicken um einen Stufe tiefer zu gelangen.
Mit Deep-Links

Kunde kommt direkt zum Ziel – ohne ‚weiter’ Links – dafür mit Deeplinks der Einzelthemen
www.postfinance.ch
Die gut gemeinte Idee generierte unzählige von Anfragen in den Kundendiensten. Viele Kunden hatten sogar das Gefühl, die Website sei defekt weil die „Links“ nicht funktionieren. Von diesem Augenblick an, wussten wir, dass wir ein Problem haben und was wir tun müssen. Wir wollten also die Deep-Links wieder aktivieren. Dieses Vorhaben gestaltete sich aber schwieriger als zuerst angenommen. Die Agenturen hielten an ihren Konzepten fest, der Online-Vertrieb befürchtete, dass durch die Reaktivierung die Klickraten und Abschlusszahlen der Bannners schlechter würden usw. und so fort.
Um weitere Argumente für die Reaktivierung zu finden, setzten wir ein zusätzliches Web-Analyse-Tool namens Heat-Map ein. Mit Heat-Map können Klicks, auch ausserhalb von Links, aufgezeichnet werden. Man sieht so wo Besucher auf der Website klicken. Die Ergebnisse bestätigten eindeutig, dass wie angenommen, Kunden hinter den Aufzählungen Links vermuten und dort klicken. In einem weiteren Schritt wurde nun ein A/B Test, mit und ohne Deep-Links, aufgeschaltet. So konnten wir belegen, dass Deep-Links die Klickraten der Banner nur marginal beeinflussen. Gute Aktionen scheinen mit und ohne Deep-Links erfolgreich zu sein.
Die Wiedereinführung der Deep-Links dauerte ca. 3/4 Jahr, kostete viel Geld, Energie und Überzeugungsarbeit.
Albert Einstein pflegte mal zu sagen: Mache es so einfach wie möglich aber nicht einfacher. Diese Aussage scheint auch für die Usability von Websites eine gewisse Bedeutung zu haben. Kundenführung Ja, aber nur bis zu einem gewissen Grad. Schränkt man den Spielraum zu sehr ein, entstehen negative Kundenreaktionen.
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Dieser Blogbeitrag wurde im Rahmen des CAS E-Commerce & Online-Marketing an der FHNW von David Heger erstellt.
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