Drei Trends verheissen klassischen Werbeagenturen eine trostlose Zukunft.
Erstens
Jeder Werber, der sich an die eine oder andere Rezession erinnern mag, weiss: Die Werbebudgets sinken immer zuerst. Wir erinnern uns ans letzte Tief: 2003 gings vielen Agenturen sehr mies. Damals geriet sogar Wirz (eine UBS unter den Werbeagenturen) ins Wanken und brauchte frisches Geld zum Überleben. Einige Agenturen gingen ein, andere schrumpften zur Unkenntlichkeit. Aber die aktuelle Krise, von der die meisten glauben, dass wir sie schon haben, wird die klassischen Werbeagenturen noch härter treffen. Denn die meisten Agenturen werden nicht nur Budgetkürzungen hinnehmen müssen, sondern …
Zweitens
… gleich ein Viertel ihrer Kundschaft verlieren. Das internationale Beratungsunternehmen Sapient hat nämlich in einer europäischen Untersuchung auch 100 Schweizer Unternehmen befragt, ob sie mit der digitalen Kompetenz ihrer Werbeagentur zufrieden seien. Nicht wirklich, sagten satte 90 % der Befragten, und jedes vierte Unternehmen wollte sich deshalb in den nächsten 12 Monaten nach einer anderen Agentur umsehen. Also verlieren potenziell 90 % der Agenturen 25 % ihrer Kunden. Und ja, ich weiss, dass man das nicht einfach so hochrechnen darf.
In Deutschland sind 90 % der Auftraggeber mit dem Digital-Know-how ihrer Agenturen zufrieden, so die Studie. Warum ist das in der Schweiz so anders? Entweder war bisher die Nachfrage nach digitaler Werbung bei Schweizer Agenturen so gering, dass es der Aufwand nicht wert war, sich das entsprechende Know-how mühselig anzueignen. Oder die Agenturen haben es erfolgreich geschafft, ihren Kunden digitale Ambitionen zum Erhalt der Agenturprofitabilität immer wieder auszureden.
Seit 1995 habe ich an unzähligen Internet-Veranstaltungen teilgenommen, an denen digitales Know-how kostengünstig oder gratis abgegeben wurde, immer mal wieder auch als Referent. An diesen Veranstaltungen trifft man allerlei Leute, aber eigentlich nie Werber. Auf den Teilnehmerlisten sucht man vergeblich nach Agenturnamen, während deren Kunden schön aufmerksam in den Reihen sitzen. Jetzt soll sich mal einer wundern.
Drittens
Der Budget-Shift von Off- Richtung Online bei den Werbeausgaben fängt nun auch in der Schweiz definitiv an stattzufinden. Die oben erwähnte Studie erwartet im nächsten Jahr einen Online-Zuwachs von 42 Prozent. Verglichen mit dem trendbestimmenden nahen und fernen Ausland herrscht in der Schweiz ja noch gewaltiger Nachholbedarf, wie er in diesem Blog schon öfter abgehandelt wurde. Ich glaube, auch da sind wir bloss etwas langsamer und nicht etwa eine Insel.
(Quelle: Werbewoche)
Recent Comments